Ryanair behandelt Mitarbeiter schäbig – und du bist schuld?!

Ryanair beutet Mitarbeiter aus

Auf ichreise.at habe ich den Artikel zur Thematik, dass Ryanair seine Mitarbeiter ausbeutet gefunden. Die Quellen, einmal theguardian.com und zum anderen Eve Büchner von refund.me mit ihrem offenen Brief erheben schwere Vorwürfe gegen Geschäftsführer Michael O’Leary. O’Leary führt seit 1993 das irische Unternehmen „Ryanair“ und hat es zu großem Erfolg geführt – wenngleich auch mit manchmal etwas kontroversen Vorschlägen.

Die Billigfluglinie Ryanair besitzt 84 Basen weltweit, fertigt nationale und internationale Flüge ab und ist mit einem Besucheraufkommen von über 100 Millionen Passagiere im Jahr (2015) die größte Fluglinie Europas – noch vor dem Fluggiganten Lufthansa.

Doch nun werden schwere Vorwürfe gegenüber Ryanair und Michael O’Leary erhoben. Ausbeutung, schlechte Arbeitsverhältnisse und bewusste Verletzung der Fluggastrechte seien Gang und Gebe. Eingeplante Verspätungen, Sprit tanken an der Grenze zum Möglichen, Piloten die zu wenig oder gar keinen Lohn erhalten, FlugbegleiterInnen, die nur in reinen Flugstunden bezahlt werden. Dinge, die in einem so großen Unternehmen wohl kaum tragbar scheinen.

Doch Ryanair praktiziert ein knallhartes Geschäftsmodell, wirbt mit super billigen Ticketpreisen und lockt damit auch noch den letzten Flugmuffel hinter dem Kamin hervor – auch, wenn das Einbußen in der Bequemlichkeit bedeuten mag.

Die Frage ist jetzt nur: Wer hat, ähnlich wie beim Gamestop-Dilemma der vergangenen Wochen, eigentlich Schuld an diesem Drama? Ausbeutung und berufliche Misshandlung gibt es nämlich nicht per se. Sie werden gekauft.

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„Für Billigflüge kriechen Deutsche nackt über Glasscherben!“

Michael O’Leary ist ein gemachter Mann. Sein Vermögen ist riesig. So riesig, dass er sich keine Sorgen mehr um seine Zukunft machen muss. Auf den Bildern wirkt er wie der nette, 50-jährige liebe Großvater, mit seinen eingefallenen Wangen, dem kurzen grauen Haar und der Allerweltsbrille. Doch O’Leary ist alles andere als ein netter Onkel, O’Leary ist ein knallharter Geschäftsmann. Seine Preispolitik und das Führen des Unternehmens Ryanair seit 1993 als CEO sind beispielhaft – ein Beispiel für das Erlangen von Macht, Geld und Reichtum durch konsequente Ausbeutung, Konkurrenzkampf und Preissenkungen.

In einem Interview mit zeit.de gibt sich O’Leary als Robin Hood der Flugbranche: Er drücke die Preise keinesfalls auf Kosten anderer, sondern zum Wohl der Kunden. Die Monopole von AirBerlin oder Lufthansa will er durchbrechen, möchte hochpreisigen Flugtickets den Kampf ansagen. Ein Preiskrieg, so betont er, herrsche nicht. Dafür seien die Angebote von Ryanair fernab jeglicher Konkurrenz – viel zu billig um überhaupt von einem Preiskrieg reden zu können.

O’Leary sei stets in Kontakt mit Flughäfen, bespreche ihre Bedürfnisse und Wünsche. So würden die Routen entstehen. Ganz im Sinne des Kunden: Ticketpreise anbieten, die billig sind, Routen bedienen die sonst keiner günstig bedient, das Fluggeschäft für den Normalo rentabel machen.

Konkurrenzkampf? Existiere nicht, denn O’Leary sieht sich sowieso als Gewinner. Um sich mit ihm zu messen, mit Ryanair zu messen, müsste Lufthansa ihre Preise erstmal halbieren, so O’Leary. Ryanair, der Usain Bolt bei den Paralympics der Fluggesellschaften.

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„Wir sind der Aldi der Luftfahrbranche“

Es gibt Top-Listen der besten Sprüche von Michael O’Leary, CEO von Ryanair. Allein das spricht Bände. Man könnte Bücher füllen mit seinen Ideen, Vorschlägen und vorpreschenden Gags. Alles nur PR, oder steckt doch mehr dahinter?

Vor einigen Jahren konnten wir uns keine großen Werbekampagnen leisten. Wir brauchten billige PR, und das ging einfach, indem wir kontrovers waren und rüpelhaft.- Michael O’Leary in einem Interview mit zeit.de, 2016

Auch wenn O’Leary vielleicht verbal über die Stränge schlägt, finde ich hat er doch einen Kern Wahrheit in seinen Aussagen. Doch warum?

Die gleiche Frage stellt sich doch ebenso hier: Warum gehen Menschen in den Aldi statt in ein Bio-Fachgeschäft mit regionalen Produkten? Warum kaufen Kunden Eier aus Bodenhaltung oder ganze Paletten aus Legebatterien?

Weil es billig ist.

Geld ist der größte Motivator und die Krux unserer Gesellschaft. Wir wollen immer alles billiger, besser und schneller – und dafür am besten so wenig ausgeben wie nur möglich. Geschäfte wie Primark oder das immer noch funktionierende System von Tiermisshandlungen auf Höfen und Schlachtbetrieben ist das Ergebnis von immer mehr zu immer weniger. Wir sind schuld daran, dass Menschen und Tiere ausgebeutet, misshandelt oder unfair behandelt werden – gelinde ausgedrückt.

Ryanair beutet seine Piloten aus, bezahlt sie nicht wenn sie krank sind, zahlt nur Stunden in der Luft. O’Leary bestreitet das, verwendet – wie man heute sagen würde – alternative Fakten. Warum aber kann O’Leary das tun? Wieso funktioniert ein System außerhalb des Systems und ist dabei von Jahr zu Jahr erfolgreicher?

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„Alle Flugzeuge werden mit Koboldpisse und meinem Bullshit getankt“

Wir können uns nicht ausnehmen. Man braucht nur auf Pinterest schauen, welche Themen im Bezug auf Reisen die Menschen interessiert: „…on a budget“. „…for only 10$ a day“. „…cheap flights…“. „…a week for free in X…“.

Ich kann mich selbst nicht einmal ausnehmen, habe ich doch selbst angeboten euch zu zeigen, wie man an günstige Flüge kommt. Wobei natürlich „günstig“ ungleich „Ausbeutung“ bedeutet. Aber es zielt in die Richtung.

Wenn die Touristen, Kunden und Flugpassagiere ständig nach dem Billigsten gieren, werden wir stets Missstände wie solche haben. Der ähnliche Skandal bei Gamestop in den letzten Wochen, wo Mitarbeiter über harte Bandagen sprechen – Zwänge zum Verkauf, Quoten, Wertungssysteme – fußt auf der Gier der Kunden, die eben in diesen Läden einkaufen. Dabei wird selten hinterfragt, wie es eigentlich zu Stande kommt, dass die Preise so niedrig sind im Vergleich zur Konkurrenz.

Low Cost, wie O’Leary gerne betont, bedeutet eben Low Cost auf jeder Ebene: Nicht nur bei den Tickets, sondern auch beim Service, der Technik, dem Personal, den Nettigkeiten, dem Wohlbefinden. Qualität und Low Cost stehen sich nicht grundsätzlich im Weg, sie sind aber auch nicht gerade Best Friends.

Es bleibt also die Frage: Warum sind die Menschen eigentlich noch überrascht?

„Die Flugindustrie ist voll von Bullshittern, Lügnern und Säufern.“

O’Leary kann sich also zurücklehnen und gemütlich seine Top-Listen seiner eigenen Sprüche lesen. Es wird ihn kaum ärgern, mehr noch, es wird ihn höchst amüsieren.

Warum?

Weil er genau das tut, was die Menschen wollen: Er unterhält, er transportiert, er provoziert. O’Leary ist der Prototyp eines Geschäftsmannes, der über Leichen geht – und das ganz offen und ehrlich. Als CEO von Ryanair muss man das vielleicht auch – und eigentlich ist es ja auch egal. Die Menschen bezahlen es.

Und sie freuen sich dabei noch. Vielleicht ist man kurz überrascht, dass die Menschen bei Ryanair ausgebeutet werden. Aber was solls, immerhin gespart.

 

 

 

2 thoughts on “Ryanair behandelt Mitarbeiter schäbig – und du bist schuld?!

  • Bei allen sehr günstigen Angeboten muss jemand ausgebeutet werden, ob Menschen, Tiere oder Natur einer muss immer leider wenn wir nur noch nach dem günstigsten Preis oder dem größten eigenen Vorteil entscheiden

    • Das sehe ich nicht so: Der günstigste Preis schließt nicht gleich eine Ausbeutung ein und es ist auch nicht notwendig, dies als gegeben hinzustellen, damit wir den günstigsten Preis haben müssen. Günstig ist relativ.

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