Sehnsucht: Berg?

 Sehnsucht: Berg?

…und als ich den letzten Hügel am Horizont, ein kleiner Aufstieg im Vergleich zur vorherigen Strecke, überwunden hatte, sah ich sie. So beeindruckend, so einzigartig. Das letzte Mal, als ich so dermaßen den Unterkiefer runterklappte war als ich das erste Mal aus der Penn-Station in Manhattan getreten war.

Ich war hin und weg.
Ein warmes, wohliges Gefühl überkam mich.
Der Moment, er war perfekt.

Sehnsucht: Höhe?

Vor einem Jahr hätte ich niemals gedacht, dass ich diesen Moment jemals erleben würde. Vorher war mir das Motiv, das sich mir an jenem Tag im Mai in der Schweiz zeigte, nur von Postkarten bekannt.

Schöne Postkarten, keine Frage, aber eben nur Postkarten. Meine Blicke streiften nur selten darüber, vielleicht entlockten sie mir ein kurzes „Mhm, ja, bestimmt irgendwann!“ heraus, das irgendwo zwischen respektvoller Zustimmung und innerem-Schweinehund-Jauchzen war.

Das ich irgendwann mal auf 2000 Meter über dem Meeresspiegel stand war mir gänzlich fremd. Immerhin: Ich habe schreckliche Höhenangst, was eine Fahrt mit einer Gondel selten erfreulich und ziemlich sicher nur notwendigst machte.
Und wandern? Sicher nicht. Wandern ist etwas für solch jene, die nicht Digital Natives sind und irgendwo zwischen fehlender Mobilität und einem komischen Heimatgefühl in der Natur anzusiedeln waren.

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Auf 2000 Meter steigen war für mich also nicht mehr als ein Blick auf eine Postkarte. Doch auch wenn man sagt, dass ein Bild mehr als 1000 Worte sagen kann – Postkarten gehören da sicherlich nicht dazu.

Sehnsucht: Komfortzone?

Ich quälte mich. Meine erste Wanderung war noch erfrischend, aber bereits die zweite war in diesem Moment eine Qual. Hinaufsteigen gehörte da noch nicht zu den schönen, angenehmen Dingen meiner Freizeit. Die Anstrengung, der Schweiß, die Arbeit die damit verbunden ist. Das Kämpfen mit dem inneren Willen, das Überwinden des Zwangs aufzugeben. „Jetzt bist du ja schon soweit!“, war immer mein Kredo und die innere Begründung, sich auch noch die letzten Meter zu quälen. Aber motivierend war das nicht!

Der Stadtwanderweg auf den Hermannskogel war eine Herausforderung sondergleichen für mich. Ich bin keinesfalls unsportlich und würde mich sogar eher motorisch talentiert bezeichnen, aber mein Willen mich selbst zu bezwingen lag irgendwo zwischen Couchpotato und mjam.at-Bestellung.

Wie also hinaus aus der Komfortzone? Hatte ich sie auf dem zweiten Stadtwanderweg verlassen? Ich kann mich noch gut erinnern, als nach der Steigung bereits zu Beginn meine Laune schlagartig sank, als erneut eine Steigung folgte. Wie ein kleines Kind hasste ich alles und jeden, der mich in diese Situation gebracht hatte.  Aber war das schon das Ende meiner Komfortzone? Das Ende des Komforts? Und wo war eigentlich meine Zone?

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Sehnsucht nach: Grenzen überwinden?

Ich fluchte ziemlich viel beim Wandern – anfänglich. Irgendwie schien mir kein Sinn dahinter zu sein, sich auf verschlungenen Waldpfaden auf Berge zu quälen. Die Anstrengung konnte man doch auch einfach mit dem Auto überwinden? Wieso also so viel Schweiß und Stress für eine Aussicht? Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, das Wandern per se lieben oder hassen zu müssen. Dass das Wandern aber auch Facetten hat und diese unterschiedliche Geschmäcker trafen, wurde mir erst nach und nach klar.

Insbesondere, weil das reine Ziel nicht genug schien. Ich hatte bereits einige Aussichten in meinem Leben genießen dürfen – dem Reisen sei Dank – und das gar nicht so berauschend fand anlässlich meiner bereits erwähnten Höhenangst.

Doch mehr und mehr wurde es zu einer Herausforderung. Zu einer Challenge, wie man ja jetzt sagt. Diese eine Höhe, dieser eine Weg, dieses eine Ziel. Das Belohnungsbier am Ende des Wanderns. Das Wandern brachte mich an physische Grenzen, die ich schon lang nicht mehr erreicht hatte. Mit einmal fühlte sich das Verlassen der Komfortzone richtig, richtig gut an.

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Die Distanzen wurden weiter, die Höhen höher. Aus 100 Höhenmeter wurden 200, dann 300. Bis wir schließlich in der Schweiz die 1000 Höhenmeter knackten und sogar, mit einem letzten Zug von Kraft, noch die 1500. Ich wurde gierig nach den Zahlen. Sieben Kilometer waren mir zu wenig, es mussten  zehn werden. 200 Höhenmeter sollten zu 300 werden. Es ist wie ein kleiner Rausch von Endorphinen, die Zahlen auf meiner TrackingApp zu sehen. Bescheuert, irgendwie, aber es macht glücklich.

Die Grenze war nun nicht mehr nur meine Leistungsgrenze, die stetig wuchs, es war auch das Festhalten in Zahlen.  Desto mehr ich schaffte, desto größer wurden die Zahlen. Desto größer die Zahlen, desto mehr wollte ich schaffen. Noch mehr und mehr.

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Sehnsucht: Berg?

…und wir gingen die ersten Schritte, in der kühlen Mittagssonne, und freuten uns. Wir hatten es geschafft und waren kurz vor den 1000 Höhenmetern. „Am Anfang dachte ich, du gehst ein“, sagte sie. Ich lachte. Eingehen? Mittlerweile bin ich ein Höhenjunkie. Jeder Meter höher ist wie ein neuer Endorphinstoß. Ich hatte das Gefühl, ich könnte noch ewig gehen, ewig steigen, ewig genießen.
Der Aufstieg von Lauterbrunnen zum Kleinen Scheidegg war gigantisch hoch – zumindest für mich. Und als sich dieses wunderbare Panorama, diese beeindruckende Bergkulisse vor uns ergab, hatte ich das Gefühl niemals mehr woanders sein zu wollen.

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Schlagartig fiel mir Manhattan ein. Dieser Moment, wo ich nur da stand, nach oben schaute und staunte. Ich blieb damals einfach stehen, inmitten von hunderten New Yorkern, und staunte. Wie ein kleines Kind zu Weihnachten bekam ich den Mund nicht zu.
Dieser Moment nach dem Aufstieg, als wir das erste mal das Bergpanorama der Jungfrau-Mönch-Eiger sahen ließ mich genau so zurück.  Wie einst Manhattan stand ich einfach nur auf dem Waldweg, beinahe völlig übermannt von Glücksgefühlen und staunte in die Ferne. Der blaue Himmel, die weißen Gipfel, die grüne Wiese. Diese Farben waren wie ein Wandereldorado, wie eine Fantasiegeschichte. Ich machte ein Foto. Und noch eins. Zig weitere.

Doch dann waren wir wieder bei der Postkarte: Kein Bild der Welt kann diesen Moment wiedergeben. Ihn rekonstruieren.

Plötzlich merkte ich: Ich bin süchtig. Sehnsüchtig nach Berg.

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2 thoughts on “Sehnsucht: Berg?

  • Deine persönliche Entwicklung sowie diese Sehnsüchte, die dich nach und nach ergreiften, kenne ich nur zu gut! Anfangs war ich eher der „wenn- es-unbedingt-sein-muss-geh-ich-halt-mit“ Typ und hatte auch oftmals Angst vor gewissen Stellen. Mittlerweile fühlt es sich an, als würde ich ohne regelmäßige Bergluft kaum mehr atmen können. Mindestens einmal pro Woche muss ich raus und hinauf in die Höhen sonst werde ich ganz unrund. Und sobald ich das Gipfelkreuz von der Ferne erblicke, beschleunigt sich mein Puls sowieso um ein Vielfaches und die Endorphine schlagen Purzelbaum! 😀

    • Hey Bianca,

      Absolut. Mir geht es genauso. So oft raus wie möglich, mittlerweile. Wenns sein muss, geh ich sogar schon alleine wandern. Nur einfache Wege, aber ich steiger mich.

      Nur das Gipfelkreuz fehlt mir noch :O Aber bald schaff ich das!

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