Stadtwanderweg #6: Zugberg&Maurer Wald

Die Reise beginnt in Rodaun, an der Endstation der 60er Tram. Das ist nicht nur irgendwo, es ist tatsächlich so weit am Rande von Wien, dass es bereits Perchtoldsdorf ist. Erschreckend.

Das Wetter war wirklich erfreulich, es hatte sich für den Nachmittag sogar Sonnenschein angekündigt. Gegen Mittag, als wir uns aufmachten, war es allerdings hochneblig und die Temperaturen trauten sich kaum über die 0° Grad Grenze hinaus.
Also waren Handschuhe und Haube angesagt – und im Nachhinein hätte ich mir eine lange Unterhose anziehen sollen. Immerhin war es doch Mitte Dezember und die schwachen Sonnenstrahlen konnten darüber kaum hinwegtäuschen.

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Erst einmal haben wir uns verlaufen, weil wir nicht gecheckt haben wo der Stadtwanderweg #6 anfängt. Nach kurzem Frust war es aber schnell gefunden und wir marschierten die ersten Meter noch durch die Stadt, um dann in einem blitzsauberen Übergang in den Mitzi-Langer-Wald über zu gehen. Vorbei an der Rodauner Kirche, eine wundervoll, über die Stadt ragende Bergkirche, geht es ein ganzes Stückchen bergauf in Richtung Wiener Hütte.

Das Gasthaus sollte nicht nur die erste Jausenstation unserer Wanderung sein sondern war gleichzeitig auch die Stempelstation für unseren Wanderpass.

Sollte. War sie aber nicht.

Von Rodaun bis zur Wiener Hütte

Doch den Anfang machte eine fantastische Reise durch den Mitz-Langer-Wald. Schmale Waldwege schlichen sich durch schönes Waldambiente hinauf auf den Berg. Die kalten, hellgelben Sonnenstrahlen, die sich durch den Hochnebel gekämpft hatten, zauberten durch die Baumwipfel hindurch hinreißende Lichtspiele. Der Aufstieg war wirklich wundervoll.

Dabei war es weder zu anstrengend noch zu einfach. Es stellte sich bei mir eine richtige, freudige Wanderstimmung ein. Weder musste man schnaufen aufgrund der Steigung, dennoch wurde es auch nicht langweilig. Ein paar Mitwanderer höheren Alters, die wir auf dem Weg trafen, bestätigten unseren Eindruck. Oben angekommen – wobei es keine richtige Spitze gibt – gibt es genug kleine Jausenbankerl auf denen man sich ausruhen kann. Wäre der Nebel nicht hätte man wahrscheinlich sogar eine fantastische Aussicht gehabt. So bot sich nur eine weiß-graue Brühe vor uns, die aber auch ihren Charme hatte.

Direkt nach dem Aufstieg geht es wieder hinab, relativ steil, und dann halbhoch in Richtung Wiener Hütte. Auch hier gilt wieder, dass die Strecke wirklich schön entlang alter Mauern und wundervollen Wald führt und weder zu anstrengend noch zu langweilig wird. Das Verhältnis hält sich perfekt die Waage und bietet ungefähr die ersten 1,5 Stunden bis zur Wiener Hütte einen Stadtwanderweg, der sich, Zitat Mimi, zu „ihrem Lieblingsstadtwanderweg“ entwickeln könnte.

Ja, tatsächlich, der 6er Stadtwanderweg überzeugte uns bereits auf den ersten Kilometern.

Kurz vor der Wiener Hütte dann, am Rande des Waldes, bietet sich dann ein bezauberndes Panorama über gezuckerte Wiesen und Felder. Auf einer Bank macht man es sich gemütlich und genießt die Sonnenstrahlen und die Aussicht. Einzigartig und die perfekte Belohnung für den Aufstieg.

Stadtwanderweg ohne Stempel

An dieser Stelle müsste nun etwas über die Wiener Hütte kommen, die man nach ungefähr 1,5 Stunden erreicht. Nur leider können wir kaum etwas berichten, da die Wiener Hütte seit September geschlossen ist aufgrund von Renovierung. Das sei ihr gegönnt – sie wirkte tatsächlich etwas betagt – aber über eine Information darüber hätten wir uns sehr gefreut. Die offizielle wien.gv.at Seite der Stadtwanderwege gibt darüber Auskunft keine Auskunft. Das ist Schade, denn die Stempelstation befindet sich in der Wiener Hütte. Somit konnten wir auf unserem Stempelpass den Stadtwanderweg 6 nicht abstempeln und müssen irgendwann noch einmal vorbei kommen um das nachzuholen. Schade.

Der Weg zurück

Nach der Wiener Hütte baut dann leider auch der Stadtwanderweg 6 etwas ab. Durch den Wald geht es bergab hinunter an den äußersten Rand des 23ten Wiener Gemeindebezirks. Hier ist es leider weder schön, noch idyllisch, noch irgendwas. Vorbei an einer großen Tennisanlage begibt man sich an die Bundesstraße. Diese überquert man und marschiert wieder zurück in den Wald. Leichte Auf und Abstiege folgen. Hier verliert sich der Stadtwanderweg ein wenig in Langeweile. Wenig markante Punkte, kaum Charakter, den man ihm zuschreiben könnte.

Die einsetzende Kälte tut nun ihr übriges und drückt auf unsere Motivation. Der Stadtwanderweg selbst plätschert nun vor sich hin, bietet kaum mehr Höhen – wortwörtlich – und schöne Plätze. Lediglich, als man auf eine riesengroße Wiese kommt kann die am Horizontstehende Sonne noch einmal optisch alles herausholen was geht. Hier darf auch unser Hund noch einmal eine Runde spielen, bevor es die letzten Kilometer zurück nach Rodaun geht.

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Schade ist wieder einmal, dass die Jausenstation „Schießstätte“ zwar markiert ist, aber nicht so genau dass man daran vorbeikommt. Erst als das Schild in die andere Richtung zeigte wussten wir, dass wir daran vorbeigangen sind.

Eine weitere Verbesserung, die wir als Vorschlag einbringen würden, wäre dass die Stadtwanderwegschilder gerne mit einer Kilometerzahl oder Zeiteinheit ausgestattet werden könnten. So hätte man ein Gefühl, wie weit es noch ist.

Denn der Stadtwanderweg 6 zieht sich am Ende richtig. Über Stock und Stein geht es vorbei an Wiesen und Wäldern zur Straßenbahnstation Rodaun zurück.

Vorbei an Kalksburg, wo einige Heurige einladend darauf warten von euch besucht zu werden. Zumindest im Sommer. Jetzt, im Dezember, war eher weniger los. Verständlich, dafür kann ja der Stadtwanderweg nichts.

Die letzten Meter durch städtisches Gebiet waren dann eher störend statt schön. Ein Muss, immerhin mussten wir zum Auto zurück. Sie besiegelten den Eindruck, dass das Ende des Stadtwanderweges nicht mit dem Anfang mithalten konnten und ihn daher doch im Gesamteindruck etwas schwächer dastehen lassen.

Fazit: Der beste Stadtwanderweg bisher?

Wir waren jetzt bereits auf #2, #3, #4, #5 und #8. Ganz oben auf der Tabelle der Stadtwanderwege steht auf jeden Fall Nummer 4. Der bietet die ausgewogenste Mischung aus Aufstieg, Belohnung und Anstrengung. Leider ist er beinahe etwas zu kurz. Für mich rutscht der Stadtwanderweg #6 „Zugberg – Maurer Wald“ dennoch auf den zweiten Platz mit relativ großem Abstand zur Jubiläumswarte, dem 4ten Stadtwanderweg. Der starke Beginn tröstet nicht über den etwas zu langen, teils charakterlosen (das klingt negativer als es gemeint ist) Schluss hinweg.

Trotzdem bleibt ein empfehlenswerter Wanderweg mit knapp 12,5km Länge, den wir in knapp 3,5 Stunden gegangen sind!

Mehr Bilder vom Stadtwanderweg #6: Zugberg - Maurer Wald:

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4 thoughts on “Stadtwanderweg #6: Zugberg&Maurer Wald

  • Auf diesen Bericht habe ich gewartet 😉
    Genauso beschrieben wie ich es auch empfunden habe.
    Übrigens, dass die Wiener Hütte renoviert wird, wurde aber auch endlich Zeit! Ich habe bei meinen STWW-6-Spaziergängen die Wiener Hütte immer gemieden, weil einmal in 2004 (oder war es 2005?) eingekehrt und ich war alles andere als begeistert. Stattdessen habe ich mir ein selbstgemachtes Weckerl mitgenommen und sie auf eine der Bankerl in der Nähe von der Wiener Hütte verzehrt und dabei die Aussicht auf den Parapluieberg genossen.
    Und wenn man immer noch hungrig ist, kann man mit dem 60er nach Mauer fahren und bei einem Heurigen einkehren. Der Steinklammer ist empfehlenswert.

    Liebe Grüße

    S.

    • Da werd ich ja gleich rot wenn jemand meint, er habe auf diesen Bericht gewartet 😀

      Ja, die wiener Hütte sah auch so aus als würde sie es dringend benötigen. Ist aber sicher dann ein nettes Lokal in wunderschöner Umgebung. 🙂

      Allerdings würde ich auch empfehlen sich ein Bankerl zu nehmen und eine Jause zu naschen. Die Aussicht ist einfach bezaubernd!

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